Das steckt drin

Aus was besteht eigentlich Nutella, Ketchup oder Rivella? Wir zeigen die Zutaten als grafische Schichtbilder so, wie Sie es noch nie gesehen haben.

Von Patrick Vögeli, Marc Brupbacher, Reto Oeschger und Daniel Böniger

Wir haben verschiedene Lebensmittelklassiker in ihre Zutaten zerlegt und diese optisch ins rechte Licht gerückt – damit sich jeder selber ein Bild davon machen kann, was drinsteckt.

Nutella (630 g)

enthält

Weitere Zutaten:
Emulgator: Lecithine (Soja), Vanillin.

Kinder lieben diese braune Creme auf ihrem Zmorgebrot, Eltern sehen den Brotaufstrich Nutella weniger gern. Weshalb? Problematisch ist vor allem, dass er zur Hälfte aus Zucker besteht. Nicht unbedingt ein Inhaltsstoff, der den Kleinen guttut: Der Zusammenhang zwischen dem stark gestiegenen Zuckerverzehr in unserer Gesellschaft und der bedrohlichen Zunahme von Übergewicht und Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen ist evident.

Die zweite Zutat von Nutella, die problematisch scheint, ist Palmöl. Es besteht mindestens zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren, die hohe Cholesterinwerte und Herzkrankheiten verursachen können. Daneben enthält es sogenannte MCPD-Fettsäureester, die gar als krebserregend gelten. Damit in Kontakt kommen Kinder sowieso – etwa im Guetsli nach dem Znacht. Aber schon morgens? Als Frühstück taugt ein Müesli wohl doch eher – bloss mögen das die Kleinen weniger gern.

Zucker und Fette sind auf dem Etikett oft nur schwer zu erkennen. Die Visualisierung der Inhaltsstoffe macht es jedoch deutlich: Der Schokoladen-Brotaufstrich ist eine Zucker-Fett-Creme und enthält kaum Kakao.

Raketenglace (50 ml)

enthält

Weitere Zutaten:
Gemüse- und Pflanzenkonzentrate; Stabilisator;
natürl. Aromen; Emulgator.

Inspiriert von der ersten Mondlandung, ist die 1969 lancierte «Rakete» nichts weniger als ein Glace-Klassiker. Und seien wir nicht päpstlicher als der Papst: Ab und zu darf es doch etwas Süsses sein, gerade wenn die Kinder genau dieses Wasser-Stängelglace wählen, das übrigens nur im Sommer hergestellt wird. Schliesslich besteht die Rakete zu drei Vierteln aus Wasser.

Auch der Zuckergehalt scheint okay, vergleicht man ihn mit «Magnum Classic» vom gleichen Hersteller: Im schokoladenüberzogenen Rahmglace ist nicht nur doppelt so viel Zucker drin wie in der Rakete, sondern es kommt obendrauf noch rund ein Fünftel Fett, welches beim Wasserglace fehlt. Übrigens kostete die Rakete vor rund 50 Jahren noch 30 Rappen am Kiosk – heute muss man bereits 1.30 Franken dafür hinlegen.

Ketchup (342 g)

enthält

Weitere Zutaten:
Salz, Gewürz- und Kräuterextrakte.

Was wären Pommes frites ohne die «rote Sauce»? Und wer schon verglichen hat, dürfte gleich auch zugeben: Das Tomato Ketchup von Heinz schmeckt einfach sehr gut, wie auch verschiedene Konsumententests immer wieder zeigen. Es besteht im Wesentlichen aus drei Hauptzutaten: Je zu einem Viertel aus Zucker und Essig – woraus das typische Süss-Säure-Spiel der Würzsauce entsteht.

Die andere Hälfte ist Tomatenmark, sprich eingekochte Tomaten. Wie hoch deren prozentualer Anteil ist, gibt der Hersteller nicht an. Was wir aber wissen: In 342 Gramm Ketchup stecken 506 Gramm Tomaten drin – das sind circa sechs mittelgrosse Tomaten. Mit dieser gesicherten Angabe haben wir selber den ungefähren Tomatenmarkgehalt berechnet.

Rivella (500 ml)

enthält

Weitere Zutaten:
Kohlensäure, Milchsäure, natürliche Aromen.

«Sportler trinken Rivella!» Dieser Slogan ist in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer fix verankert – und, in der Tat, viele von uns glauben wirklich, dass dieses Getränk per se gesund ist. Leider ist der Wunsch hier der Vater des Gedankens: Rivella rot enthält fast annähernd so viel Zucker wie das verpönte «Coca-Cola» (15 gegenüber 17,5 Würfelzucker). Da hilft auch das gesunde Milchserum wenig, das ebenso in jeder Flasche steckt. Und weswegen man das 1950 erfundene Getränk ursprünglich als Molkebier bezeichnete.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, nicht mehr als fünf Prozent der täglichen Energiezufuhr mit sogenanntem freien Zucker zu decken. Bei einem Erwachsenen bedeutet das pro Tag rund 25 Gramm, also nur etwa acht Stück Würfelzucker. Allein nach einem Glas Rivella Rot (250 Mililiter) ist dieser Grenzwert praktisch erreicht. Mit der kürzlich lancierten Sorte «Refresher» bietet der Hersteller neu einen leichten, weniger süssen Durstlöscher an.

Paprika Chips (90 g)

enthalten

Weitere Zutaten:
Hefeextrakt, Kartoffelstärke, Farbstoff, Raucharoma,
Gewürzextrakt, natürliches Aroma.

Die bekannten Chips von Zweifel kennen zwei Hauptsaisons: im Sommer die Grillsaison, aber auch die Weihnachtszeit, wenn Herr und Frau Schweizer das Caquelon aus dem Schrank holen und Fondue chinoise essen … Wie gesund sind eigentlich Chips, die man meist erst dann weglegt, wenn die Tüte leer ist? Nun gut, gegen die verwendeten Kartoffeln kann man nicht allzu viel haben, viel mehr stört viele die Portion Fett, die im Rapsöl steckt – immerhin ein Drittel des Gewichts! Die Gewürze wie Paprika, Salz und Knoblauch machen einen weiteren Zehntel aus – damit die Würzmischung sich gleichmässig auf den dünnen Kartoffelscheiben verteilt, lädt eine Maschine diese zuerst elektrostatisch auf, bevor mit einem Gebläse die Chips und die Würze vermengt werden.

Kein Problem sind übrigens die vor einigen Jahren in den Fokus geratenen Acrylamide. Zweifel frittiert bei Temperaturen, die den Anteil dieses ungesunden Stoffes vergleichsweise gering bleiben lassen. Zudem werden zu dunkle Chips maschinell aussortiert.

 

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Methodik

Die Schichtbilder stellen die ungefähre Zusammensetzung der Zutaten des Produkts dar. Für die Anteilsberechnung der Inhalte dienten Herstellerangaben sowie entsprechende Nährwerttabellen und in letzter Konsequenz Schätzungen. Dabei ist der Gewichtsanteil der Zutat zum Zeitpunkt der Verwendung bei der Produktion ausschlaggebend. Um ein möglichst echtes Gesamtverhältnis der Schichten grafisch darzustellen, wurden für flüssige Lebensmittel der Volumenanteil und für feste Produkte der Flächenanteil in Prozent ermittelt.

Zu sehen sind also Datenvisualisierungen der prozentualen Gewichtsanteile und nicht die realen Mengen der einzelnen Zutaten, da diese wegen Dichte, Struktur und Luftbeimischung in unverrührtem Zustand mal mehr, mal weniger Fläche einnehmen würden. Beim Beispiel Nutella widerspiegelt der Zucker in der Visualisierung 52 Prozent des Volumens des Glases, da der Gewichtsanteil der Zutat auch 52 Prozent ausmacht. Würde man den dargestellten Zucker wiegen, würde er leichter sein als die angegebenen 330 Gramm, da noch viel Luft zwischen den Zuckerkristallen steckt.

Zur Überprüfung wurden weitere Daten und Informationen von Konsumentenportalen wie dem K-Tipp beigezogen. Bei den abgebildeten Zuckerwürfeln handelt es sich um Würfel mit einem Gewicht von 3 Gramm. Zutaten mit einem Anteil von weniger als 2 Prozent wurden nicht visualisiert und als weitere Zutaten unterhalb der Grafik aufgeführt.

Die Inspiration der Schichtbilder stammt von der Verbraucherzentrale Hamburg, von der wir die freundliche Erlaubnis für die Weiterentwicklung des Konzepts erhielten.