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Der Corona-Index
Weniger Autos, mehr Leute vor dem TV und die Börse auf Talfahrt? Diese Indikatoren zeigen in Echtzeit, wie das Virus unser Leben verändert.

Patrick Meier, Sven Cornehls, Simone Luchetta, Mathias Born, Markus Diem

Auslastung der Stadtberner Parkhäuser

Internetverkehr

Strassenauslastung

Verabredungen

Mobilität

SRF-Zuschauerzahlen

Flughafen Zürich

Autos in Zürich

Börse

Bitcoin

Parkplätze in Bern

Der Lockdown hat grosse Auswirkungen auf das Alltagsleben insbesondere in den Städten: Die meisten Geschäfte sowie die Restaurants, Cafés und Bars mussten schliessen. Fast alle Veranstaltungen wurden abgesagt. Und wer kann, arbeitet aus dem heimischen Büro. Entsprechend sind viele Innenstädte verwaist. Besucher von ausserhalb kommen wenige. Die Autos, die normalerweise etwa während eines Einkaufsbummels, einem Treffen oder einer Veranstaltung in einem der Parkhäuser zurückgelassen werden, stehen nun auf dem Parkplatz vor dem Haus. Deshalb sind auch die Parkhäuser weniger stark belegt, wie das Beispiel aus Bern zeigt.

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Die Daten werden halbstündlich von parking-bern.ch ausgelesen. Für jeden Tag wird der Auslastungsmittelwert über alle Parkhäuser gebildet.

Internetverkehr

Je mehr der Verkehr auf den Strassen zum Erliegen kommt, desto mehr ist auf der Daten-Autobahn los: Videokonferenzen, Fern-Unterricht und Serien-Gucken à gogo, dazu Gaming-Nächte, das Arbeiten im Homeoffice und eine Flut von Corona-News und -Witzen. Halten die Internet-Leitungen das aus? «Wir sehen 30 Prozent Mehrverkehr seit dem Lockdown, das findet aber problemlos in den Kapazitätsreserven Platz», sagt Christian Wittenhorst, Chef von SwissIX, dem grössten Internet Exchange Dienst in der Schweiz. Der Verein stellt die Infrastruktur für den Austausch der Datenpakete zwischen den Netzen der einzelnen Internet-Provider bereit.

Die ständig aktualisierten Daten von SwissIX zeigen, dass am Sonntag, 29. März 2020 ein vorläufiger Peak erreicht wurde: 17 000 Terabit sausten an diesem Tag durch seine Server. Der Datenwust stieg aber bereits eine Woche vor dem Lockdown vom Montag, 16. März, sprunghaft und nachhaltig an. «Damals hat ein grosser Streaming-Anbieter einen Teil seines Verkehrs über uns umgeleitet», erklärt Wittenhorst. Der tägliche Spitzen-Verkehr am Abend sei deshalb zwischenzeitlich wegen Video-Streaming und Gaming merklich erhöht gewesen, habe sich inzwischen aber wieder bei den Vor-Corona-Werten eingependelt. Dies dürfte primär eine Folge der Reduktion der Streaming-Bandbreiten von Netflix und anderen sein und heisst nicht unbedingt, dass Schweizerinnen und Schweizer weniger Serien schauen.

Auch das strahlende Frühlingswetter hat viele Menschen ins Freie gelockt, so dass am letzten April-Wochenende so wenig auf den SwissIX-Leitungen los war wie seit dem Lockdown nicht mehr. (luc)

Deutliche Veränderungen sind indes im täglichen Verlauf erkennbar: «Wir haben mehr und gleichmässig hohen Verkehr während der Arbeitszeiten. Und wir sehen, wann die Schweizer Mittagspause machen.» Das sei vor Corona nicht sichtbar gewesen: «Ein wesentlicher Teil des firmeninternen Verkehrs wurde schweizweit also ins Internet verschoben.» Das Arbeiten zu Hause belastet das Netz aber nicht annähernd so stark wie das Streaming am Abend.

Tagesverlauf Internetverkehr

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Strassenauslastung

Bis zum 13. März herrschte auf den Schweizer Autobahnen noch «courant normal». Doch als der Bundesrat an jenem Tag die Schliessung der Schulen verordnete, brach auch der Verkehr zusammen. Wie markant das Aufkommen zurückging, zeigt eine Datenanalyse dieser Zeitung. Über automatisierte Anfragen bei Google Maps lässt sich rekonstruieren, wie sich die Reisezeit für eine bestimmte Autobahn-Strecke verändert. Berücksichtigt sind in der Analyse die Stosszeiten morgens und abends. Bei den Daten von Google handelt es sich um Prognosewerte, welche die aktuelle Verkehrssituation berücksichtigen. Ein Beispiel: Für die Strecke von Bern nach Zürich brauchten Autopendler am 11. März noch eine Stunde und 45 Minuten. Am 25. März hatte sich die Reisezeit bereits um rund zehn Minuten verkürzt. Ähnlich sind die Zeitgewinne für den Rückweg. Die Frage ist: Bleibt das Verkehrsaufkommen auch dann noch tief, wenn die Massnahmen des Bundesrats gelockert werden? Und wie schnell wird sich der Verkehr erholen?

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Verabredungen

In der Corona-Krise, der Zeit des «Bleibt zu Hause», waren reale Sitzungen oder Abmachungen im Freundeskreis rar. Das belegt auch die Statistik von Doodle, dem Online-Dienst zur Terminvereinbarung, der wie Tamedia zur TX Group gehört. Die Zahl der Doodles ging in der Schweiz um den Lockdown herum im März schlagartig um 50 bis 60 Prozent zurück. Der Tiefpunkt wurde am 12. April erreicht mit einem Rückgang von über 80 Prozent. Seither geht’s in der Tendenz wieder aufwärts – dank Lockerungen in der Schule, weniger Home-Office und der Möglichkeit, in kleinen Gruppen eine Bar oder ein Restaurant zu besuchen. Einen Ausreisser gibt es am 21. Mai: Auffahrt! Ein Feier- und Familientag, mit wenig Terminen.

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Doodle zählt die Doodles pro Tag, bei denen bei ihrer Erstellung die Zeitzone «Europe/Zurich» lautet. Das kommt entweder aus den Browsereinstellungen der Nutzer oder aus ihrem Doodle-Account.

Mobilität in der Schweiz

Wie gut befolgen die Schweizerinnen und Schweizer die Weisungen des Bundesrats? Halten sie sich an die Vorgaben des Social Distancing? Und bleiben Sie zu Hause, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt? Die Handy-Bewegungsdaten von 2500 Freiwilligen im Alter zwischen 15 und 79 Jahren geben Aufschluss darüber. Die Daten zeigen, dass sich die Menschen anfangs gut an die Vorgaben des Bundesrats gehalten haben - die zurückgelegten Distanzen gingen deutlich zurück. Doch bleibt die Disziplin bestehen? Und was passiert, wenn es draussen schön ist? Und wie sieht es aus, wenn die Krise länger dauert?

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Die Handy-Tracking-Daten stammen aus einer Studie, die das statistische Amt des Kantons Zürich und die ETH Zürich in Auftrag gegeben haben. Die Daten umfassen die ganze Schweiz, und sie sind repräsentativ. Im Fokus stehen die täglich zurückgelegten Distanzen sowie die Bewegungsradien. Die Daten werden täglich aktualisiert.

SRF-Zuschauerzahlen

Was tun, wenn man nicht arbeiten darf und zu Hause ausharren muss? Dann schaltet man den Fernseher ein. Doch stimmt das wirklich? Die Publikumszahlen von SRF geben Aufschluss. Tatsächlich zeigt die Kurve stark nach oben, seit der Bundesrat die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert hat, möglichst zu Hause zu bleiben. Besonders hohe Einschaltquoten haben in den Krisenzeiten erwartungsgemäss Nachrichtensendungen wie die «Tagesschau» und «10 vor 10». Mittlerweile hat SRF auch das Tagesangebot stark ausgebaut – insbesondere mit Lernsendungen für die Schulkinder.

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Die Publikumszahlen werden von Mediapulse in ausgewählten Testhaushalten erhoben und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. SRF stellt die Zahlen auf der Website zur Verfügung – allerdings nur für SRF 1 und SRF 2 und teilweise mit mehreren Tagen Verspätung. Nach einer Woche verschwinden die Dokumente wieder. Für diese Grafik werden die PDFs automatisiert ausgelesen und aufbereitet. Aus den durchschnittlichen Zuschauerzahlen pro Sendung wird über Tag der Mittelwert gebildet.

Luftverkehr

Im Luftverkehr zeigten sich früh die ersten Auswirkungen des Coronavirus. Bereits Ende Januar stellten erste Fluggesellschaften ihre Flüge nach China ein – dem Land, das als erstes vom Virus heimgesucht wurde. Auch die Swiss reagierte und reduzierte erst ihren Betrieb, dann strich die Fluggesellschaft am 14. Februar 2020 alle Linien von und nach China. Die Verunsicherung der Flugpassagiere am Flughafen Zürich zeigte sich aber besonders nach dem 28. Februar. An jenem Tag verkündete der Bundesrat das Verbot aller Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Seither sprachen mehrere Länder Reiseverbote aus. Die Zahl der Starts und Landungen am Flughafen Zürich geht seither rasant zurück. Auch die jüngeren Zahlen zum globalen Flugverkehr zeigen eine drastische Abnahme. Der Trend dürfte sich fortsetzen. Mit jedem weiteren gestrichenen Flug steigt der wirtschaftliche Druck auf die Fluggesellschaften. Währende erste Airlines bereits Konkurs angemeldet haben, rufen andere immer lauter nach Staatshilfe.

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Die Daten zu den Starts und Landungen stammen aus der Bewegungsstatistik des Flughafens Zürich. Diejenigen zu den aktuellen globalen Flugbewegungen werden stündlich von Flightradar24 ausgelesen.

Autos in Zürich

Wenn die Menschen daheim bleiben müssen, wenn sie zu Hause oder gar nicht mehr arbeiten dürfen, wenn die Leute zu Fuss gehen – dann wirkt sich das auf das Verkehrsaufkommen aus. Statt Autolärm hören wir Vögel pfeifen, der Verkehr scheint zuweilen stillzustehen. Doch trifft diese Annahme auch zu? Die Zahlen aus der Stadt Zürich geben Aufschluss darüber. Es ist davon auszugehen, dass die Corona-Krise die Zahl der Autos auf den Strassen deutlich reduzieren wird. Andererseits steigen viele Leute, die normalerweise den öffentlichen Verkehr benutzen, auf Privatwagen um. Und es sind weit mehr Kuriere als normalerweise unterwegs.

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Die Stadt Zürich misst an 94 Stellen die Zahl der Autos (motorisierter Individualverkehr), die vorbeifahren. Die Werte werden stündlich erfasst und täglich geliefert.

Börse

Die Börsenkurse brechen vielerorts seit Ende Februar stark ein. Das zeigt: Die Marktteilnehmer machen sich grosse Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Auffällig ist, dass die Kurse noch von Höchstkurs zu Höchstkurs eilten, als das Virus erst in China grassierte. Aber die rasche Verbreitung des Virus auf der übrigen Welt hat die Börsenwelt schockiert. Wie es an den Finanzmärkten weitergeht, hängt davon ab, ob die Ausbreitung des Virus gestoppt werden kann. Stabilisieren werden sich die Kurse erst, wenn die Marktteilnehmer davon überzeugt sind, dass die Regierungen und Notenbanken die richtigen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie und zum Abfedern der wirtschaftlichen Schäden ergriffen haben.

Langfristige Entwicklung an der Börse

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  • Der Swiss-Performace-Index (SPI) umfasst nahezu alle kotierten schweizerischen Aktiengesellschaften. Er gilt als Gesamtmarktindex für den schweizerischen Aktienmarkt. Hier verwenden wir den reinen Preisindex, ohne Berücksichtigung der Dividenden. Quelle: SIX Swiss Exchange
  • Der Euro Stoxx 50 ist ein Aktienindex der sich aus 50 grossen, börsennotierten Unternehmen des Euro-Währungsgebiets zusammensetzt. Er gilt als der führende Böresenindex Europas. Quelle: Yahoo Finance
  • Der Standard & Poor’s 500 (S&P 500) ist ein Aktienindex, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Er ist gehört zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt. Quelle: Yahoo Finance

Euro

Aus Schweizer Sicht ist der Euro-Franken-Kurs von grösster Bedeutung. Ein teurerer Franken vermindert die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Unternehmen im Export. Das führt schnell zu weitreichenden Problemen: Der Binnenmarkt ist vergleichsweise klein, die Schweizer Wirtschaft ist stark von Exporten abhängig. Der Kurs des Euro ist im Zuge der Krise deutlich gesunken. Ein billigerer Euro steht umgekehrt für einen teureren Franken. (Um diesen Zusammenhang zu vereinfachen, zeigt die Grafik deshalb den Preis des Euro in Franken). Die Wertzunahme des Franken ist die Folge davon, dass die Schweizer Währung stets als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten wahrgenommen wird. Dass es nicht zu einer noch stärkeren Aufwertung gekommen ist, liegt vor allem am Wirken der Schweizerischen Nationalbank, die sich mit Interventionen auf den Devisenmärkten (Käufen von Devisen gegen Franken zur Neutralisierung der Frankenkäufe) der Aufwertung entgegenstemmt.

Langfristige Entwicklung des Eurokurses

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Bitcoin

Zuweilen haben Anhänger Bitcoin mit der Behauptung verteidigt, die Kryptowährung biete eine Alternative zum von Notenbanken und Staaten beeinflussten Geld. In einer Krise müsste der Bitcoin nach dieser Logik grössere Sicherheit ausstrahlen als anderes Geld oder andere Kapitalanlagen. Allerdings ist derzeit nichts davon zu sehen. Die Anleger scheinen in der Kryptowährung während der Corona-Krise vor allem eine Hochrisikoanlage zu sehen. Entsprechend hat diese Währung einmal mehr in ihrer an heftigen Ausschlägen reichen Geschichte deutlich an Wert verloren. Wie sich der Kurs im weiteren Verlauf der Corona-Krise entwickeln wird, lässt sich derzeit denn auch kaum abschätzen.

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Gold

Historisch gesehen, war das Gold stets ein sicherer Hafen. In Krisen wurde das gelbe Metall besonders nachgefragt. Deshalb stieg in der Vergangenheit dann jeweils auch der Preis. Davon ist diesmal nicht viel zu sehen. Seit das Coronavirus sich in der ganzen Welt stark verbreitet, hat auch der Goldpreis nachgegeben. Der klassische Grund für steigende Goldpreise ist normalerweise die Angst vor einer Inflation – also einem Wertverlust des Geldes. Der aktuelle Wirtschaftseinbruch deutet aber eher auf das Gegenteil hin: auf ein sinkendes Preisniveau, weil die Gesamtnachfrage noch mehr leidet als das Gesamtangebot, also die Fähigkeit der Unternehmen, Güter auf den Markt zu bringen. Aus dem gleichen Grund hat das Gold schon während der Finanzkrise an Wert verloren. Überwiegen in Zukunft die Engpässe bei den Unternehmen und befeuern die Geldspritzen der Notenbanken und Staaten die Nachfrage, könnte sich das Bild allerdings ändern – und der Goldkurs würde wieder steigen.

Auch mit den starken Ausschlägen im März hat der Goldpreis noch nicht sein Allzeithoch von 2011 erreicht. Damals haben die Schuldenkrise im Euroraum, die Zweifel an der US-Bonität sowie die Proteste im arabischen Raum den Anstieg des Goldpreises auf über 1800 Dollar pro Feinunze begünstigt.

Langfristige Entwicklung des Goldpreises

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Öl

Der extreme Einbruch des Ölpreises ist eine Folge des Wirtschaftsabschwungs: Wenn wir weniger unterwegs sind und die Industrie weniger Güter produziert, wird weniger Öl benötigt. Die sinkende Nachfrage drückt auf den Preis. Doch das ist nur ein Grund für den Einbruch. Der andere ist die Wirtschaftspolitik der Öl fördernden Staaten: Weil sich Russland dem Vorstoss des Ölgiganten Saudiarabien nicht angeschlossen hat, die Ölfördermenge zu reduzieren, haben die Saudis als Vergeltung die Fördermenge erst recht hochgefahren – zum Schaden Russlands, aber auch weiterer Erdöl produzierender Länder.

Langfristige Entwicklung des Ölpreises

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