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Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat

Die besten Serien und Filme, die Sie jetzt streamen können. Auf Netflix, aber nicht nur.

Kulturredaktion
Aktualisiert am 2. August 2021

The White Lotus

Satire von Mike White, USA 2020, 6 Folgen
Miniserie
Im Resort & Spa The White Lotus auf Hawaii begrüsst Manager Armond die neu angekommenen Gäste: das frisch verheiratete Paar, die Familie von Nicole und Mark und eine Single-Frau, die die Asche ihrer Mutter mitgebracht hat. Im Verlauf einer Woche geraten die Touristen immer wieder aneinander, und das oft auf überraschende Weise. Die Satire von Mike White ist beissend komisch, darüber hinaus ist sie auch eine Bestandesaufnahme der amerikanischen Gesellschaft nach #MeToo, wo es um Unabhängigkeit, «safe spaces» und Hillary Clinton geht. Und so böse, wie die beiden Teenagerinnen Paula und Olivia dreinschauen können, muss man sie einfach gernhaben. (blu)
Leserbewertung
ø 4.0
(4 Bewertungen)
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Mr. Corman

Dramödie von Joseph Gordon-Levitt, USA 2020, 10 Folgen
Serie
Dass die Streaminganbieter die Autorentheorie eher stärken als schwächen, zeigt sich mal wieder an «Mr. Corman». Joseph Gordon-Levitt («500 Days of Summer») ist Regisseur, Autor, Hauptdarsteller und Produzent dieser 10-teiligen Serie, die er für Apple TV+ gemacht hat. Er spielt einen Grundschullehrer, der eigentlich Musiker ist, aber damit nie genug Geld verdient hat. Als Porträt von Thirtysomethings in Los Angeles, die ihre Studentenkredite abzahlen müssen, ist «Mr. Corman» nicht gerade subtil. Dafür haben die Dialoge viel Witz und Tempo, und die Musical-Einlage über die Liebe zwischen einem Sohn und seiner Mutter hätte man auch nicht erwartet. (blu)
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First Cow

Westerndrama von Kelly Reichardt, USA 2019, 135 Minuten
Film
Mit «First Cow» ist die erste Milchkuh in Oregon gemeint. Ein reicher britischer Händler hat sie 1820 in die wilde Gegend holen lassen, weil er den Rahm im Tee vermisst. Nun schleichen sich jede Nacht ein chinesischer Einwanderer (Orion Lee) und ein ehemaliger Bäcker (John Magaro) ins Gehege, klauen die Milch und benutzen sie für kleine Küchlein, die sie am Markt verkaufen. Ein voller Erfolg. Bis der Besitzer der Kuh auf die beiden aufmerksam wird. Der Film zeigt realitätsnah das brutale Leben der Trapper, aber auch die poetischen, zärtlichen Seiten. Eine unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem Western-Mythos. «First Cow» basiert auf einer Episode in Jonathan Raymonds Roman «The Half-Life». (ggs)
Leserbewertung
ø 5.0
(1 Bewertung)
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Ich und die Anderen

Dramedy-Serie von David Schalko, Österreich 2021, 6 Folgen
Serie
Der Mann gerät ins Schlingern, weil plötzlich alle wissen, was er denkt. So ist das, wenn die eigenen Wünsche versehentlich wahr werden. Der App-Entwickler Tristan (Tom Schilling) spricht solche Wünsche zu Beginn jeder Folge aus und gerät – natürlich – in Teufels Küche. Die vernachlässigte schwangere Freundin (Katharina Schüttler), die spinnerten Eltern (Sophie Rois, Martin Wuttke), der abgehobene Chef (Lars Eidinger) – sie alle geben diesem bindungsscheuen Jedermann keinen Halt. Im Gegenteil. So gerät diese herrlich knallige Serie zu einer fortlaufenden Freud’schen Verwünschung, aus der es kein Entkommen gibt. Das ist nicht nur originell inszeniert, sondern kommt auch ausgesprochen unberechenbar daher. Wobei Tristans eigentlicher «Reiseleiter» ein nachdenklicher Taxifahrer (Ramin Yazdani) mit müden Augen ist. (zas)
Leserbewertung
ø 5.0
(3 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Serie?

Jungle Cruise

Adventure-Komödie von Jaume Collet-Serra, USA 2021, 127 Minuten
Film
Aguirre reloaded? Keine Panik. In diesem Fall gehts weniger um Extremerfahrungen wie einst mit Klaus Kinski, sondern um einen verfilmten Disney-Adventure-Park, der von 1916 erzählt – mit allem technischen Klimbim von heute. Die Forscherin Lily Houghton (Emily Blunt) will im Amazonasgebiet eine Blüte aufspüren, die alles heilen kann – also die Menschheit und so. Guter Gedanke. Blöd nur, wenn der Schiffscaptain (Dwayne Johnson) fast alles anders sieht. Da geraten die richtigen Schlaumeier aneinander – und es ist ein Heidenspass, dem mit temporeicher Action unterlegten Dauergefrotzel dieses Duos beizuwohnen. So wandelt «Jungle Cruise» auf den Spuren von «Indiana Jones», aufgepeppt mit einem Schuss «Pirates of the Caribbean». Ohne Johnny Depp, klar, aber die aktuelle Schiffsladung gerät inklusive verschrobener Nebenfiguren und karikaturesker Running Gags (Motto: Fressen oder Gefressenwerden) zum unbeschwerten Zeitvertreib. (zas)
Leserbewertung
ø 3.5
(18 Bewertungen)
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Summer of Soul

Dokumentarfilm von Questlove, USA 2021, 117 Min.
Film
Das ist die beste Art von Musik-Doku: Sommer 1969, ein Park in New York. Tausende von Menschen drängen sich um eine Konzertbühne. Das Harlem Cultural Festival feiert schwarze Musik, präsentiert Grössen wie Stevie Wonder, B. B. King und Gladys Knight. Trotz des spektakulären Line-ups geht das Festival bald nach seinem Ende vergessen: Das gleichzeitig stattfindende Woodstock überschattet alles. Fünfzig Jahre liegen die Aufzeichnungen vom Harlem-Festival unbeachtet in einem Archiv, bis der Musiker Questlove (The Roots) darauf stösst. Er montiert das Filmmaterial und holt die Leute von damals für Interviews vor die Kamera. Es entsteht ein dichter Dokumentarfilm, der von schwarzer Kultur erzählt, von Musikgeschichte und Bürgerrechtsbewegung. Das Highlight bleiben aber die Konzertaufnahmen, darunter ein Duett von Mahalia Jackson und Mavis Staples in voller Länge. Kaum zu fassen, dass das so lange niemand mehr gehört hat. (ggs)
Leserbewertung
ø 4.0
(8 Bewertungen)
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Blood Red Sky

Horrorfilm von Peter Thorwarth, Deutschland/USA 2021, 123 Minuten
Film
Es gibt Flugzeugentführungsfilme, und es gibt Vampirfilme, und nun gibt es auch die Kombination davon. Das geht so: Eine alleinerziehende Vampirin will mit ihrem Sohn zur Kur von Berlin nach New York reisen, Nachtflug selbstverständlich, denn das Tageslicht ist ja gefährlich für die Blutsauger. An Bord befinden sich aber auch Terroristen, welche die Maschine Richtung Osten – der Sonne entgegen – entführen. Päng. Das Actionspektakel nimmt tatsächlich so haarsträubende Wendungen, dass es eine wahre Freude ist. Der deutsche Regisseur Peter Thorwarth hatte die Idee dazu schon vor vielen Jahren, mithilfe von Netflix konnte er sie schliesslich mit internationalem Cast und ansehnlichen Tricks umsetzen. Das Resultat ist absurd, doch in seiner Unvorhersehbarkeit auch erfrischend. Blut mögen muss man dafür allerdings schon. (ml)
Leserbewertung
ø 2.5
(22 Bewertungen)
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Naomi Osaka

Dokuserie von Garrett Bradley, USA 2021, 3 Folgen
Miniserie
«Was bin ich, wenn ich nicht gut Tennis spiele?» Die Japanerin Naomi Osaka, die seit ihrem dritten Altersjahr in den USA lebt, bricht mit den Konventionen dieses Ballsports – und zwar radikal. Seit dem Polizistenmord an George Floyd 2020 macht sich die Weltnummer 2 gegen rassistische Gewalt stark, zum Beispiel mit Masken, auf denen die Namen von schwarzen Opfern prangen. Oder dann schwänzt sie Pressekonferenzen wie am Pariser Roland-Garros-Turnier im Juni und teilt dann auf Social Media mit, an Depressionen zu leiden. So viele «No-gos» gabs im Tennis noch nie. Diese Serie zeigt kurz und knapp, wie es dazu kam. Klar, man könnte Netflix nun vorwerfen, dass man es mit Topstar-Dokus etwas übertreibt. Aber «Naomi Osaka» (hier mehr zur Geschichte der japanischen Tennisspielerin) ist definitiv etwas anderes als das, was der Ex-Basketballer Michael «Air» Jordan in seiner Selbstbeweihräucherung «The Last Dance» ablieferte. (zas)
Leserbewertung
ø 2.5
(7 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Miniserie?

Kajillionaire

Dramödie von Miranda July, USA 2020, 104 Min.
Film
Wer bitte kommt auf die Idee, seine Tochter Old Dolio zu nennen? Es ist nur eine von gefühlten 500 Fragen, die sich bei diesem Film über eine aus Raum und Zeit gefallene Trickbetrügerfamilie in den Suburbs von L.A. stellen. Wobei Familie die falsche Bezeichnung ist. Old Dolio (Evan Rachel Wood) ist das gleichberechtigte Mitglied einer Mini-Geldbeschaffungsmaschinerie um Vater Robert (Richard Jenkins) und Mutter Theresa (Debra Winger), die extrem verlustreich wirtschaftet und zufällig um ein viertes Mitglied (Gina Rodriguez) erweitert wird. Da kann man sich schon fragen, was das wert ist. Regisseurin Miranda July, die gern mit Wes Anderson verglichen wird, schafft es, diese fortlaufenden Kuriositäten in gleissend fröhliche Bildarrangements zu packen. Dabei werden die Figuren zu Symbolen, die eigentlich nichts anderes tun, als sich mit ihren Lebenslügen auseinanderzusetzen. Am härtesten triffts dabei freilich Old Dolio. (zas)
Leserbewertung
ø 4.0
(9 Bewertungen)
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Them

Horrorserie von Little Marvin, USA 2021, 10 Folgen
Serie
Selten wurden die 50er-Jahre derart albtraumhaft zugespitzt: Die Fröhlichkeit der Kostüme und Tapeten wirkt schrill und falsch, die Figuren sind überspannt, die Oldies im Soundtrack werden zu Höllengesängen verzerrt. Kein Wunder, dass es beim kleinsten Anlass sofort zu Gewaltexzessen kommt. «Them» ist keine subtile Serie, aber der extravagante Stil ist mitreissend. Die Handlung dreht sich um eine schwarze Familie, die 1953 vom Land in ein Viertel von Los Angeles zieht. Die bis dahin ausschliesslich weisse Nachbarschaft unternimmt alles, um die Neuankömmlinge zu vertreiben. Dabei werden die doch bereits von Geistern heimgesucht, die im Keller und in den dunklen Ecken lauern. (ggs)
Leserbewertung
ø 4.0
(4 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Serie?

08/15: Der Tod als Alltag

Dokumentarfilm von Sarah Elena Schwerzmann, CH 2021, 15–20 Min.
Film
«Der nachfolgende Film wird von einem Algorithmus zufällig zusammengestellt», heissts in einer Einblendung am Anfang. Jedes Mal, wenn man sich die Kurzdoku auf der Website anschaut, werden die vorgefertigten Segmente neu kombiniert; es sind auch jeweils wieder andere, abgesehen von der Einleitung. Im Pressematerial heisst es, möglich seien fast 26 Millionen verschiedene Varianten. Aber sie drehen sich immer um dieselben drei Menschen: eine Polizistin, ein Rechtsmediziner und ein Tatortreiniger. Sie erzählen in Interviews von ihrem Beruf, in dem sie es täglich mit dem Tod zu tun haben. Wie helfen sie den Angehörigen von Getöteten? Wie schalten sie nach dem Einsatz ab? Was ist im wirklichen Leben ganz anders als in Krimiserien? Ihre Geschichten sind angenehm unaufgeregt, und es ist spannend, wie sich bei jeder frischen Kombination neue thematische Querverbindungen ergeben. (ggs)
Leserbewertung
ø 4.5
(6 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

I'll Be Your Mirror

Dokumentarfilm von Johanna Faust, CH 2019, 91 Min.
Film
«Ich habe gedacht, Mutter sein, das muss mich doch erfüllen. Aber innerlich sehne ich mich die ganze Zeit danach, wieder meine Kunst zu machen.» Als sie eine Einladung von einer Kunstschule in Oxford erhält, spielt Johanna Faust mit dem Gedanken, ihre Familie zu verlassen, um sich ganz der Malerei zu widmen. Da erinnert sie sich daran, dass ihre Grossmutter genau das getan hat. Faust will von deren Tochter, also ihrer eigenen Mutter wissen, wie sie das als Kind erlebt hat, erforscht die weitere Familiengeschichte und macht zugleich einen Film daraus. «I’ll Be Your Mirror» ist schon eine Nabelschau, hat aber auch viel dazu zu sagen, welche Kompromisse Frauen in der Lebensplanung bis heute eingehen müssen. (ggs)
Leserbewertung
ø 4.5
(5 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

The Empty Man

Horror von David Prior, USA/SA/UK 2020, 137 min.
Film
Und was, wenn dieses Ding einen wirklich verfolgt, nachdem man auf einer Brücke in eine Flasche gepustet hat? Ex-Cop James Lasombra (James Badge Dale) macht die Probe aufs Exempel: Auf der Suche nach der verschwundenen Tochter einer guten Bekannten – die Polizei ist ihm zu passiv – entdeckt er eine Organisation von angeblichen Nihilisten, die sich von einem dämonischen Wesen speisen lassen. Was folgt, ist eine saubere Wiederbelebung von Klassikern im Stil von «The Ring», angereichert durch eine ausgesprochen verstörende Tonspur. Da wird geklappert und an Münzen genagt, dass es eine Art hat. Kommt hinzu, dass ein etwa 20-minütiges Prequel aus den Bergen von Bhutan den ganzen Horror dieses Filmes vorgibt. Das Okkulte gibts als Zugabe. Aber mit welcher Ruhe dieses Psychogramm eines Opfers oder Täters inszeniert ist (Regisseur David Prior orientiert sich klar an David Fincher), da ist man mitunter sprachlos. Um im Film zu bleiben: am Zähneklappern merkt man die Intensität. (zas)
Leserbewertung
ø 3.0
(7 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?